No risk - no fun, too much risk - no fun at all!
Ironman Zürich
![]() In der ersten Runde konnte ich den Heartbreak Hill mit all seinen Zuschauern noch genießen, in der zweiten Runde war der Berg ein schwerer Kampf. ![]() |
Ziemlich spontan, aus dem Kurzdistanztraining heraus, habe ich mich dazu entschieden beim Ironman in der Schweiz teilzunehmen. Mein Training lief sensationell und deshalb sind wir gerne das Risiko eingegangen, trotz fehlender Umfänge einen Ironman zu bestreiten, da wir auch eine große Chance in diesem Rennen für mich sahen.
Weil ich die Quali für Hawaii in China schon bekommen habe, konnte ich auch relativ locker an den Ironman herangehen. Ich hatte keinen Druck und eigentlich nichts zu verlieren.
In Zürich hatten wir einen Homestay bei Freunden, die mich auch optimal für das Rennen einstimmten und sich wirklich toll um uns gekümmert haben. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Barbara und Thomas!
Die Hitzephase der vergangenen Wochen endete zwar pünktlich zum Ironman in der Schweiz und von Donnerstag bis Samstag regnete es in Strömen, doch daran konnte man ja nichts ändern und ich machte mir darüber keine weiteren Gedanken.
3,8km Schwimmen:
Der Zürichsee war ausgesprochen warm, doch der Veranstalter meinte, durch die Regenfälle der vergangenen Tage hätte der See stark abgekühlt und so wurde am Wettkampftag doch mit Neoprenanzug geschwommen.
Die Profis starteten 5 Minuten vor den restlichen 2300 Altersklassenathleten.
Die 3,8 km waren unterbrochen durch einen ca. 60 m langen Landgang über eine Insel, die gesäumt war von unzähligen Zuschauern.
Da es bei mir im Wasser super lief, konnte ich diese tolle Stimmung voll aufnehmen und in unbändige Energie umwandeln ;-)
Die Orientierung fiel mir leicht und so führte ich die dritte Verfolgergruppe an.
Bereits als 2. Frau konnte ich aus dem Wasser steigen! Wow! Noch nie bin ich als 2. Frau bei solch einer großen Veranstaltung aus dem Wasser gekommen! Ich war total begeistert!
180km Rad fahren:
Auf dem Rad begleitete mich die ganze Zeit ein eigenes Motorrad mit einem Schild:"2. Frau".
Fotografen und Kameraleute fuhren um mich herum, wollten wissen, wie es mir geht,...
Das war unheimlich spannend und auch motivierend für mich.
In meinen ganzen anderen Ironman Rennen war ich eigentlich immer im Damen-Mittelfeld unterwegs und konnte erst am Ende der Rad- bzw. Laufstrecke etwas auf mich aufmerksam machen. Dies war nun eine ganz neue Erfahrung.
Bei km 25 schlossen dann die Schweizerinnen Monika Lehmann und Sarah Schütz zu mir auf.
Da ich mir ja vorgenommen hatte, bei diesem Rennen ein höheres Risiko einzugehen als bisher, lies ich die beiden nicht vorbeiziehen, sondern fuhr mit ihnen im legalen Rahmen mit.
Nun begleiteten uns 2 Motorräder und der bergige Teil des Kurses begann. Wir fuhren die Berge sehr aggressiv und ich musste alles geben, um den Anschluss halten zu können.
Zwar hatte ich mir die Radstrecke zuvor mit dem Auto angesehen, doch nun kamen mir die Berge viel steiler und weit aus länger vor, als auf 4 Rädern.
Nach ca. 60 km musste ich die 2 Schweizerinnen leider ziehen lassen. Es war viel schwieriger den Rhythmus von anderen mitzugehen als den eigenen zu fahren.
Ca. 10 km später hatte ich mich wieder gefangen und konnte wieder an die beiden heranfahren.
Ein Wellenbad der Gefühle. Doch das kannte ich ja bereits aus anderen Rennen. In einem 9,5 Stündigen Rennen geht es einem nie die ganze Zeit gut. Man hat immer wieder Phasen, die hart sind und in denen man stark sein muss.
Ein Ironman ist auch immer eine Reise zu sich selbst. 9,5 Stunden körperliche Anstrengung, 9,5 Stunden konzentriert bleiben, 9,5 Stunden essen und trinken im Fahren und Laufen, 9,5 Stunden nur an das eine Ziel denken, 9,5 Stunden Schmerzen ausblenden und sich nicht zu sehr ablenken lassen...
Am Ende der ersten Runde mussten wir noch den "Heartbreak Hill" in Kichelberg bezwingen.
Die Stimmung und der Zuschaueraufmarsch haben mich sehr stark an den Solarer Berg in Roth erinnert. Gänsehautfeeling oder wie die Schweizer sagen Hühnerhautfeeling pur!
Das sind diese Momente, für die wir gerne hart trainieren!
Die zweite Runde war von meinem Gefühl her anfangs etwas besser. Zwar überholte mich die zweifache Zeitfahrweltmeisterin Karin Thürig, doch Sarah Schütz konnte das Tempo nicht weiter mitgehen und musste uns ziehen lassen.
Bei km 160 war es dann aber leider vorbei mit meiner Euphorie.
Obwohl es nur ca. 21 Grad hatte, bekam ich einen Schweißausbruch und das Wasser tropfte mir richtig vom Helm, ich fühlte mich unglaublich leer und kraftlos.
Ich reduzierte das Tempo etwas, doch ich wusste beim besten Willen nicht mehr, wie ich diesen letzten Berg noch hochkommen sollte.
So schön dieser Berg beim ersten Mal auch war, so brutal war er beim zweiten Mal. Es war, als hätte mir jemand alle Energie auf einmal weggenommen, meine Stromzufuhr unterbrochen. Ich musste unglaublich kämpfen und nahm alles nur noch ganz gedämpft wahr.
Doch noch war das Rennen offen. Alles war möglich und ich kämpfte mich bis zum Bikefinish.
42,195 km Laufen
Nur 3 Minuten hatte ich beim Wechsel zum Marathon auf Rang 3!
Schon mehrmals bin ich sehr kaputt vom Rad zum Lauf gewechselt und konnte erstaunlicherweise noch super laufen. Diese Hoffnung hatte ich auch diesmal.
Doch alles kam ganz anders.
Ich war furchtbar leer, hatte unglaubliche Muskelschmerzen in den Beinen und fand keinen Rhythmus. Doch was nicht ist, das kann ja noch werden, dachte ich mir und lief die ersten 10km so gut ich eben konnte.
Leider wurde es nicht besser.
Im Gegenteil, ich verlor auf jedem Kilometer Zeit auf meine Konkurrentinnen.
Ich hätte schneller laufen müssen und das war am Sonntag nicht mehr drin.
Enttäuscht stieg ich darum bei km 10 der Laufstrecke aus, mit der Gewissheit heute mit einigen der besten Radfahrerinnen mitgehalten zu haben.
Dennoch konnte ich mir diese Kraftlosigkeit zum Ende der Radstrecke nicht erklären.
Bis ich mein Rad wieder aus der Wechselzone ausgecheckt habe und noch ein Großteil meiner Verpflegung am Rad war. Vor lauter Euphorie hatte ich meinen Ernährungsplan völlig vergessen. Die Kohlehydratspeicher des Körpers sind aber leider begrenzt und es ist bei einem solchen Ausdauerrennen unheimlich wichtig sich gut zu verpflegen. Das hatte ich schlicht und einfach nicht konsequent genug durchgezogen.
Der Schweißausbruch, das Schummrig sein, alles Anzeichen für einen sogenannten Hungerast!
Es war schwer für mich, dieses Rennen vorzeitig zu beenden, eine wirklich harte Entscheidung, doch ich bin ja bereits für Hawaii qualifiziert und da wäre es nicht sinnvoll gewesen, wenn ich mich in Grund und Boden gelaufen hätte.
Fazit:
Dieser Ironman war einen Versuch wert und ich konnte viel Lernen und auch sehen, dass ich konkurrenzfähig bin, dennoch muss man immer zu 100 Prozent konzentriert bleiben ;-)
In meiner Wattauswertung meines SRMs, das ich zur Trainingssteuerung auf dem Rad habe, haben wir heute auch noch festgestellt, dass ich die Berge im Ironman mit der höchsten Wattleistung gefahren bin, die ich jemals im Leben über 10 Minuten realisiert habe. Höher als bei jeder Sprint- und Kurzdistanz.
Einerseits ist das ja super, da ich ein neues Niveau erreichen konnte, andererseits war es für den Ironman viel zu hart und hat mir viel zu viel Kraft gekostet.
Ich habe 2 große Fehler gemacht, aus denen ich lernen werde und jetzt schon meine Konsequenz gezogen habe. Natürlich ist es echt traurig, dass es so ausgegangen ist, da habe ich einfach zu viel riskiert?
Liebe Grüße
Heidi
Nachricht vom: 28-07-10




