Ironman Wisconsin - Der Countdown läuft...
Bericht von Jürgen Sessner:
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Nach 9 Stunden Flug sind wir letzten Samstag in Chicago gelandet. Mit dem Mietwagen fuhren wir dann ca 2 Stunden nach Madison, wo der Wettkampf stattfinden wird. Natürlich nicht ohne an einem dieser foodcourts am Highway anzuhalten, die alle erdenklichen Arten von Junkfood bieten.
In Madison angekommen, fuhren wir direkt zum Haus unserer Gastfamilie, Kathy und Jerry Groth. Sie waren verreist übers Wochende und haben uns den Schlüssel hinterlegt. Mit soviel Vertrauen kann man eigentlich nicht unbedingt rechnen. So standen wir vor einem riesen Haus mit 3-fach Garage und wurden erstmal von Moskitos aufgefressen. Nachdem wir uns eingerichtet haben und den Hauskater kennen lernten, haben wir uns auch gleich ins Bett gelegt.
Die Radstrecke: Hügel wie im fränkischen Seenland
Am nächsten Tag wollten wir dann einen Teil der Radstrecke abfahren. Aus Kostengründen (Der Radtransport kostet 150.- Euro pro Strecke) habe ich auf mein Fahrrad verzichtet und habe das Angebot unserer Gastfamilie angenommen, eines ihrer Räder zu benutzen. Was ich nicht wußte, es handelte sich dabei um ein Raleigh Tourenbike mit 32er Bereifung und einem Sattel, der diesen Namen wirklich verdient hat. Das Vorderrad hatte außerdem einen Höhenschlag, das Geschwindigkeiten über 20km/h zu einer Mutprobe machten. Glücklicherweise tauchte Pat, der Nachbar der Groths auf und bot an, einen Bikedealer in der Nähe aufzusuchen. Da wir Sonntag hatten, war ich skeptisch. Meine Zweifel wurden jedoch zerstreut, denn wir fanden einen riesigen Trek-Dealer mit Fahrradverleih vor. Dort wurde das Vorderrad repariert und ich habe mir noch ein aktuelles Trek 5000 gemietet, und das für schlappe 75 $ die Woche. So konnten wir dann doch noch auf die Radstrecke gehen, dort wartete die nächste Überraschung auf uns.
Das Profil entspricht einer Kette von 20-30 Heartbreak-Hills oder Solarer Bergen. Teilweise habe ich gedacht, ich bin im fränkischen Seeenland zwischen Gunzenhausen und Herrieden unterwegs. Die Radrunde hat etwa 65 km und ist zwei Mal zu fahren, zuzüglich etwa 50 km An- und Abfahrt. Um es kurz zu machen: Das Profil entspricht einer Kette von 20-30 Heartbreak-Hills oder Solarer Bergen. So mancher Renndirektor hätte seine liebe Mühe, so viele medienwirksame Namen zu finden. Hier hat jedenfalls kein Hügel einen Namen. Da die Anstiege sehr kurz sind, waren wir überrascht über die 850 Höhenmeter nach 65 km.
Am nächsten Tag war ein Schwimmtraining auf dem Plan und ich versuchte einen Pool zu finden. Das Internet gab auf Anhieb nur einen "public outdoorpool" preis, aber thanks to Pat, dem Nachbarn, bekamen wir die Möglichkeit als Gäste im YMCA den 25 yards pool zu nutzen. Und dort wurden wir wieder überrascht: Strenges lap swimming ist angesagt, die Leute waren überaus freundlich und haben sofort reagiert, wenn jemand auf die Bahn kommt.
Heute haben wir auch endlich unsere Gastfamilie kennengelernt und gleich eine hohe Bürde aufgebrummt bekommen: Die Siegerinnen der beiden Vorjahre, Katja Schumacher und Ute Mückel, haben ebenfalls bei der Familie gewohnt. Somit war klar, was von Heidi erwartet wird.
Am Dienstag haben wir uns die Laufstrecke angesehn, jedenfalls so gut es ging. Sie befindet sich nämlich teilweise auf dem Campus der Uni und an diesem Tag war Einschulung der Erstsemester, somit war wirklich die Hölle los und wir waren froh, als wir fertig waren. Die Laufstrecke hat einige Wellen, ist aber insgesamt fair und es wird 100% auf Asphalt gelaufen. Der Kurs geht durch die Innenstadt am Capitol entlang ist mit 2 Wendepunkten versehen.
Wisconsin: Die Bayern der USA
Das Wetter war in den ersten Tagen sehr heiß und schwül, aber die Vorhersage für das Wochenende versprach deutliche Abkühlung. Als ich Jerry fragte, ob das Klima hier immer so schwül ist, sagte er: "Oh nein, eigentlich erst, seit Bush Präsident ist. Eigentlich wurde alles schlechter seitdem er gewählt wurde". Mit soviel Sarkassmus habe ich nicht gerechnet, aber wie vorher schon angedeutet, wir wurden hier einige Male überrascht. Es gibt auch noch weitere Ähnlichkeiten zwischen Wisconsin und Deutschland bzw. Bayern im Speziellen. So ist Wisconsin vor allem wegen seiner Braukunst und Käseherstellung bekannt.
Gerade die Braukunst hat es mir angetan und Jerry weihte mich abends ab und zu in die Geheimnisse des Wisconsin-Bieres ein. Mein favourite ist "fat squirrel", aber "spotted cow" schmeckt auch nicht schlecht. Jedenfalls haben sie hier mehr Phantasie bei den Namen der Biere bewiesen, als mit den Bergen auf der Radstrecke.
Ironman Wisconsin: Die Schwimmstrecke
Gestern wurde es dann langsam ernst, die Ausgabe der Startunterlagen stand an. Alles war sehr gut organisiert und lief reibungslos ab. Heidi ist die Nervösität langsam anzumerken. Wir haben auch einige der ambitionierten deutschen Teilnehmer beim Abschwimmen der Schwimmstrecke getroffen. So waren Ina Reinders und Bernd Eichhorn ebenfalls vor Ort.
Jetzt geht es Schlag auf Schlag, Pressekonferenz, Wettkampfbesprechung, Pasta Party, morgen Bike Check-in und schon gehts los. Mal sehen, was der Renntag so bringt.
Jürgen Sessner
Da wir hier in Wisconsin 7 h zurueck sind wird unser Start um 14 Uhr deutscher Zeit sein.
Auf www.ironmanlive.com kann man im Livestream das Rennen mitverfolgen.
So, dann drueckt mir bitte fest die Daumen.
Liebe Gruesse aus Wisconsin
Heidi
Nachricht vom: 7-09-07




